Er ist eine Legende, ein Gentleman und Frontmann einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Rockbands: the one and only Wolfgang Niedecken. BAP haben zum 50-jährigen Bandjubiläum das neue Meisterwerk «Paar Daach spääder – 50 Jahre BAP Live» (Vertigo Berlin/Universal) veröffentlicht und bringen am Mittwoch, 2. Dezember 2026, das Hallenstadion Zürich zum Kochen. Wir sprachen mit der Rock-Legende über das neue Live-Album und die Schweiz.

Ein halbes Jahrhundert BAP – das muss gefeiert werden. Die Jubiläumsbox «Paar Daach spääder – 50 Jahre BAP Live» bietet umfangreichen Inhalt; in fünf Jahrzehnten ist viel passiert. BAP hat sich immer wieder erneuert, neue Alben aufgenommen, die Besetzung wechselte – die Konstante: Wolfgang Niedecken, der für «Paar Daach spääder» 50 Live-Titel persönlich ausgewählt hat. Und das, obwohl es unzählige «größte Hits» gibt. BAP zählen zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Rockbands: 13 Nummer-eins-Alben, mehr als die Beatles in den deutschen Charts (12), und 22 von 27 Veröffentlichungen in den Top Ten – ein Rekord.
Als Hommage an 50 Jahre BAP und Vorbereitung auf die Jubiläumstour ist die «Paar Daach spääder»-Box mit 6 Vinyls, Deluxe-Mediabook (4 CDs), 52-seitigem Buch und signiertem Artprint ein Must-have für alle Fans der Kölsch-Rock-Band. In Zürich trafen wir BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken zum Interview.
Willkommen in der Schweiz. Wie gefällt es dir hier, und hast du gute Erinnerungen an die Schweiz?
Wolfgang Niedecken: Ja, ich habe nur gute Erinnerungen an die Schweiz. Ich weiss noch, als wir zum ersten Mal hier gespielt haben. Damals konnte ich kaum glauben, dass wir tatsächlich im Ausland auftreten und die Leute zu unseren Konzerten kommen. Besonders gerne habe ich im Sommer auf Schweizer Open Airs gespielt. Da habt ihr wirklich ein schönes Fleckchen Erde.
Erzähl uns etwas über das neue und wundervolle BAP-Album «Paar Daach spääder» – 50 Jahre BAP Live. Ein absolutes Meisterwerk voller Live-Songs.
Die Idee entstand, als mich der für den Katalog zuständige Mann von der Plattenfirma fragte, was wir zum fünfzigsten Bandjubiläum veröffentlichen könnten. Da ich ohnehin gerade die Setliste für die Jubiläumstournee plante, schlug ich vor, fünfzig Live-Songs aus fünfzig Jahren BAP zusammenzustellen – nicht meine Lieblingssongs oder die grössten Hits, sondern die Stücke, die für die Tour infrage kommen. Vor jeder Tour beschäftige ich mich intensiv mit unserem Repertoire, aber mit dem Jubiläumsgedanken war es diesmal besonders anspruchsvoll. Bei der grossen Auswahl war es ein echtes Luxusproblem – und ich liebe Luxusprobleme. Anschliessend mussten die Songs so zusammengestellt werden, damit ein organischer Spannungsbogen entsteht. Gerade bei sechs Vinylscheiben muss jede einzelne Seite für sich funktionieren. Das macht viel Arbeit, aber auch viel Spass. Begleitend dazu haben wir ein 53-seitiges Buch gestaltet, in dem ich unsere Arbeitsweise und einige Live-Alben näher beschreibe.
Die Jubiläumstour steht bevor und das Jubiläumskonzert startet am 10. Juli im Kölner Rheinenergie-Stadion. Am 2. Dezember 2026 spielt ihr auch ein Konzert im Hallenstadion Zürich. Freust du dich?
Ich freue mich sehr darauf, nach langer Zeit wieder in Zürich zu spielen. Für das Jubiläum haben wir uns entschieden, erstmals ein grosses Stadionkonzert in Köln zu machen. Da das Stadion sehr schnell ausverkauft war, haben wir zusätzlich eine Hallentour geplant. Mit der Schweiz verbinden wir viele schöne Erinnerungen. Wir haben auf Festivals gespielt, im Hallenstadion und natürlich auch im Volkshaus Zürich, das immer eine besonders familiäre Atmosphäre hatte. Die Konzerte dort sind mir in bester Erinnerung geblieben. Ich erinnere mich auch an eine Tournee mit Joe Cocker. Damals wechselten wir uns als Headliner ab. Joe war übrigens ein wunderbarer Kollege und ein echter Gentleman.
Was magst du lieber: die Arbeit im Studio oder Live-Konzerte?
Alleine im Studio wäre ich aufgeschmissen. Ich bin überhaupt kein Technik-Freak. Mit einer akustischen Gitarre, einem Zettel und einem Bleistift käme ich durchs Leben. Zum Glück haben wir eine fantastische Band mit grossartigen Musikern. Deshalb arbeite ich auch gerne im Studio. Auf der Bühne vergesse ich dagegen die Zeit. Ich kommuniziere direkt mit dem Publikum und spüre genau, was zurückkommt. Ich empfinde mich dort immer als Gastgeber und möchte, dass alle einen schönen Abend erleben. Am Ende möchte ich, dass die Menschen glücklich nach Hause gehen.
Du bist einer der begehrtesten, spannendsten, grossartigsten sowie auch erfolgreichsten Künstler, hast unzählige Hits und Millionen von Fans. Was würdest du über dich sagen, was das Rezept deines Erfolges ist?
Ich habe von Anfang an nach meinen eigenen Werten gelebt. Ich weiss, was ich will, und ich weiss, dass ich am besten bin, wenn ich genau das mache, was ich wirklich machen möchte. Ich habe mir nie reinreden lassen. Das bedeutet nicht, dass ich nicht kritikfähig bin. BAP ist ein Team, und man kann sich von guten Argumenten überzeugen lassen. Zu etwas überreden lassen, das ich eigentlich nicht wollte, habe ich mich nie.
Was würdest du einer jungen Band mit auf dem Weg geben?
Einer jungen Band Ratschläge zu geben, ist schwierig, weil wir unter ganz anderen Voraussetzungen gross geworden sind. Deshalb würde ich sagen: Hört in euch hinein und lasst euch nicht verbiegen. Wenn ihr bereits Menschen erreicht, dann habt ihr etwas Eigenes, das euch besonders macht. Es bringt nichts, wie die gerade angesagteste Band klingen zu wollen. Lasst euch von Vorbildern inspirieren, aber imitiert sie nicht.
Wenn du auf deine 50-jährige Karriere zurückblickst – welche Gedanken kommen dir dabei als Erstes in den Sinn?
Dass ich unglaublich viel Glück gehabt habe. Viele Zufälle haben dabei eine Rolle gespielt. Ich habe die richtigen Menschen getroffen und konnte mit ihnen Dinge verwirklichen. So etwas kann man nicht planen oder erwarten.
Zum Schluss: Hast du eine Botschaft für deine Schweizer Fans?
Bob Dylan würde sagen: «Don’t follow leaders, watch your parking meters.» Aber da ich nicht Bob Dylan bin, sage ich etwas anderes: Bleibt locker, bleibt empathisch und lasst euch nicht manipulieren – weder von rechts noch von links. Bleibt bei euch selbst und bewahrt eure Empathie.
Interview: Christos & Christos
Weitere Informationen:
bap.de | universalmusic.ch



